Programm
Programm

Unser Programm bietet die Möglichkeit, regelmäßig Einblicke in künstlerische Prozesse zu erhalten und in einen persönlichen Austausch mit den Stipendiat:innen zu kommen.

 

Folgende Veranstaltungsreihen bieten einen Rahmen für literarische, künstlerische und musikalische Beiträge in informeller Atmosphäre:

 

Brunch: jeden dritten Sonntag im Monat von 12-16 Uhr
-> Kommen und Gehen jederzeit, ohne Voranmeldung, möglich

 

Dinner: jeweils am ersten Donnerstag im Monat, 19-23 Uhr
-> nach Voranmeldung unter info[at]stiftung-kuenstlerdorf.de

 

Auf dem Weg zu permakulturellen Institutionen. Übungen zum kollektiven Denken
10. — 18. Juli 2022

Ein Sommerseminar der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen, kuratiert von Aneta Rostkowska und Nada Schroer

 

In den letzten Jahren beobachten wir eine Zunahme von Ausstellungen zu Pflanzen und Ökologie in Kunstinstitutionen, begleitet von einer Faszination für indigenes Denken und verschiedene Formen kollektiver Arbeit. Gleichzeitig macht sich eine wachsende Desillusionierung über das Kunstsystem selbst bemerkbar, etwa in Bezug auf mangelnde Solidarität, ausbeuterische Arbeitsbedingungen, kurzfristige Finanzierung einhergehend mit einem Rücklauf an struktureller Unterstützung, einem oberflächlichen Verständnis von Diversität, starken hierarchischen Strukturen in Kunstinstitutionen, normativem Individualismus, zwanghaftem Self-Branding oder dem Kult um Mobilität und Flexibilität. Das Kunstsystem imitiert perfekt die neoliberale Ökonomie, die unser Umfeld prägt. Jedoch führt diese Enttäuschung nur selten zu konkreten Handlungen. Ein „Neoliberaler Kunstrealismus“ (ein Begriff, der von Mark Fishers „kapitalistischem Realismus“ inspiriert ist) prägt die Vorstellung, dass der Status quo der Kunstwelt das einzig tragfähige Kunstsystem sei und es unmöglich ist, sich eine kohärente Alternative vorzustellen.

 

Andererseits verdeutlichen die jüngsten Erkenntnisse zum Klimawandel, dass Wirtschaft und Gesellschaft nicht weitermachen können wie bisher. Die ökologische Katastrophe, vor der wir stehen, löst einen starken Impuls und Veränderungsbedarf aus.

 

Während dieses Seminars werden wir ökologisches Denken nutzen, um anders über die Funktionsweise des Kunstsystems und insbesondere über verschiedene Arten von Kunstinstitutionen nachzudenken. Wir werden versuchen, unser Wissen zu Pflanzen und zur Permakultur, die bisher hauptsächlich als Ausstellungsinhalte fungieren, in die Strukturen unserer Arbeit und unserer kuratorischen Praxis einzubringen. Wie könnte die Ethik der Permakultur (Earthcare, Peoplecare und Fairshare) eine nachhaltige Transformation von Kunstinstitutionen befördern, die über die oberflächliche Anwendung ökologischer Richtlinien hinausgeht? Kann der regenerative Aspekt des permakulturellen Denkens in eine regenerative Philosophie einer Kunstinstitution umgewandelt werden? Könnte sich dieses Denken auf nachhaltige gemeinschaftsbasierte Praktiken übertragen lassen, die sich auf emanzipatorische Formen der Zusammenarbeit und die kollektive Sorge um (ökologische und soziale) Gemeingüter konzentrieren? Was können wir von indigenen Praktiken und dem Funktionsweisen von Kunst in indigenen Kontexten lernen, ohne diesie anzueignen oder zu romantisieren? Die Moderne konstruierte eine abstrakte Trennung von „Natur“ und „Kultur“ und brachte Kolonisationsprozesse mit sich, die von rassistischen Ideologien und den Bedürfnissen des Kapitalismus befeuert wurden. Nun drängt sich die Frage auf: Wie können wir gemeinsam den nächsten Schritt gehen? Können wir die Moderne und ihre immer wieder auftauchenden „Geister“ negieren und in einem synthetischen, allumfassenden Schritt mit neuen, nachhaltigen Konzepten und Praktiken auf die nächste Ebene gelangen?

 

Ziel des Seminars ist es, ein Netzwerk – ein Mycellium – von Permakultur-Praktizierenden und Kunstinstitutionen zu schaffen, die daran interessiert sind, die ökologische Reflexion im Kunstsektor auf eine andere, tiefere Ebene zu bringen, die zu neuen Institutionsmodellen führt.

 

Der erste Teil des Seminars widmet sich dem Verständnis der permakulturellen Praktiken sowie anderer ökologischer Ansätze durch Theorie, aber auch Aktivitäten im Garten. Zusammen mit eingeladenen Expert:innen, wie Alfred Decker, werden wir die Techniken und die Ethik der Permakultur entlang ihrer 12 Prinzipien erforschen: Beobachten und Interagieren, Energie einfangen und speichern, Ertrag erzielen, Selbstregulierung anwenden und Feedback akzeptieren, Erneuerbare Ressourcen und Dienstleistungen nutzen und wertschätzen, keine Verschwendung vorantreiben, vom Mustern hin zum Details entwerfen, Integrieren statt Trennen, kleine und langsame Lösungen anwenden, Vielfalt nutzen und wertschätzen, Randbereiche nutzen und das Marginale wertschätzen sowie Veränderungen kreativ nutzen und darauf reagieren.

 

Im zweiten Teil gehen wir tiefer auf spezifische Themen wie das Kuratieren in kleinen/mittleren Kunstinstitutionen, das Kuratieren von Residency-Programmen und das Kuratieren von Festivals ein. Wir werden kollektiv permakulturelles/Pflanzen-Denken auf diese Bereiche anwenden und erörtern, wie ökologische Ansätze uns auf unserem Weg über den neoliberalen Kunstrealismus hinaus helfen können, wie wir einen Wandel in diesem Feld erreichen und Methoden hin zur ökologischen Institution entwickeln können.

 

Es wird eine Veranstaltung für Besucher:innen, Kunst- und Kulturschaffende aus der Region geben, die die Gelegenheit bietet, an den Hauptvorträgen teilzunehmen und sich an der gemeinsamen Diskussion zu beteiligen.
Alle Teilnehmenden werden gebeten, basierend auf ihren Erfahrungen, einen kurzen Input für die Gruppe zu liefern.

 

Während des Seminars werden wir unter der Leitung des Künstlers Yoeri Guépin im Künstlerdorf Schöppingen kollektives Gärtnern praktizieren. Diese praktische Auseinandersetzung mit Boden, Pflanzen und dem Planeten zielt darauf ab, unsere theoretischen Diskussionen zu erweitern.

 

Für alle Teilnehmenden wird eine Leseliste erstellt mit der Bitte, die Texte vor der Anreise zu lesen.

 

 

Das Seminar wird kuratiert von Aneta Rostkowska und Nada Schroer und veranstaltet von der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen, unter Leitung von Julia Haarmann.

 

Das Projekt ist Teil des Programms CAP (Curating for Advanced Practices) der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen. CAP zielt darauf ab, neue Strategien und Strukturen in den Künsten und für künstlerische Praktiken zu entwickeln und deren Umsetzungs- und Produktionsbedingungen zu klären.

 

Aneta Rostkowska ist Kuratorin, Autorin und Gärtnerin, Absolventin des de Appel Curatorial Program in Amsterdam. Sie verfolgt experimentelle kuratorische Praktiken, in denen sich politisch relevantes Geschichtenerzählen durch sorgfältig konstruierte sinnliche Umgebungen entwickelt. Rostkowska studierte Philosophie, Wirtschaftswissenschaften und Kunstgeschichte in Krakau, Posen, Heidelberg und Frankfurt am Main. Sie arbeitete als Kuratorin an der Bunkier Sztuki Gallery of Contemporary Art in Krakau (2011-2016) und an der Akademie der Künste der Welt in Köln (2016-2018). Seit Januar 2019 ist sie Direktorin der Temporary Gallery, Zentrum für zeitgenössische Kunst in Köln. Neben dem Kuratieren unterrichtet sie Kunsttheorie, Kunstgeschichte und Philosophie an verschiedenen Universitäten und Kunsthochschulen.

 

Nada Schroer studierte Arts and Media Presentation in Hildesheim sowie Cultures of Curation in Leipzig. Sie forscht und schreibt zu den Themen Digitalität, Science Fiction und Games. Ihre Kunstvermittlung und kuratorische Arbeit umfasst Projekte im HKW Berlin, Sprengel Museum Hannover, Kunstverein Hildesheim, Kunstverein Braunschweig, GOLD + BETON in Köln, D21 Leipzig und NRW-Forum Düsseldorf.

 

In Kooperation mit der CCA Temporary Gallery in Köln.

 

Das Projekt wird unterstützt vom Förderverein der Stiftung Künstlerdorf und von der Kunststiftung NRW.

Lebensraum Künstlerdorf – Von der Natur lernen
1. März — 31. Juli 2022

Ausgelöst durch die Klimakrise sowie gesellschaftliche und geopolitische Entwicklungen werden etablierte Strukturen vermehrt in Frage gestellt.

 

Die Stiftung Künstlerdorf Schöppingen befasst sich mit Fragen einer alternativen Unternehmenskultur bezogen auf ihr Residenzprogramm. Dabei werden Innen- und Außenraum zusammengedacht und Aspekte von nachhaltigeren und gerechteren Kreisläufen einbezogen. Während des Projektes wird ein gemeinschaftlicher Nutzgarten angelegt, ein Zusammenhang zur Programmgestaltung hergestellt und ein Leitfaden entwickelt, der Fragen zur Mobilität, zum Umgang mit Ressourcen und den, im Künstlerdorf angesiedelten, temporären Gemeinschaften, regelt.

 

#ResidenciesForUkraine

Die Stiftung Künstlerdorf Schöppingen solidarisiert sich mit den Menschen in der Ukraine und denjenigen, die ihr Land aufgrund des Krieges verlassen mussten.

 

Als konkrete Hilfsmaßnahme schließen wir uns der durch den Kulturrat NRW initiierten und vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW begleiteten und unterstützten Aktion „Kultur hilft Kultur“ an. Diese möchte einen kulturspezifischen Beitrag leisten, um Künstler*innen und Kulturschaffenden aus der Ukraine mit Möglichkeiten des Kulturlebens zu helfen. Im Künstlerdorf stehen ab sofort freie Wohnungen und Ateliers inkl. eines monatlichen Stipendiums für diesen Zweck zur Verfügung.

 

Wir stehen außerdem in engem Kontakt mit der Gemeinde Schöppingen zum weiteren Bedarf an Wohnraum. Die Bezirksregierung Münster hat bekanntgegeben, „die ehemalige Zentrale Unterbringungseinrichtung des Landes (ZUE) in Schöppingen für die ausschließliche Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine vorrübergehend zu reaktivieren. Vorbehaltlich notwendiger Einrichtungs- und Instandsetzungsarbeiten wird die Landeseinrichtung ab der vierten März-Woche wieder bezugsfertig sein und dann abhängig der Familien-Zusammensetzung der Kriegsflüchtlinge zwischen 300 und 400 Menschen aufnehmen können.“

FSJ Kultur

Die Stiftung Künstlerdorf Schöppingen und die Landesmusikakademie NRW in Heek intensivieren ihre Zusammenarbeit.

 

In einem ersten Schritt wird eine gemeinsame Stelle für einen oder eine Freiwillige im sozialen Jahr in der Kultur, ein sogenanntes FSJ Kultur, angeboten. Diese am 1. September startende Kombi-Stelle trägt zur Verbindung beider Institutionen bei und ist auch für gemeinsame Projekte und Veranstaltungen zuständig. Hier besteht die Chance für junge Leute, die Arbeit von zwei unterschiedlichen Kulturinstitutionen kennen zu lernen und einen Einblick in Kulturmanagement zu erhalten. Interessierte Jugendliche sind herzlich eingeladen, sich für ein FSJ Kultur zu bewerben.

Weitere Informationen hierzu: www.lma-nrw.de

Rolfrafael Schröer

Am 27. Januar 2022 starb der Mitinitiator und Gründungsdirektor des Künstlerdorf Schöppingen im Alter von 93 Jahren in Münster. Während seiner achtjährigen Tätigkeit in Schöppingen hat er wichtige Impulse für Literatur und Bildende Kunst gesetzt und Nachhaltiges geschaffen.

Wir erinnern uns an ihn mit hoher Anerkennung und in Dankbarkeit.

Oper „Akasha“ von Wingel Mendoza
4. Dezember 2021 — 20.00 Uhr

Das Opernprojekt des mexikanischen Komponisten und Klangkünstlers entstand während seines sechsmonatigen Stipendienaufenthaltes 2021. In seinen Arbeiten erforscht Mendoza die Möglichkeiten der Erweiterung von Klängen mithilfe von eigenen analogen und/oder digitalen Instrumenten. Um neue Wege der Wahrnehmung von Klang zu schaffen, arbeitet er mit externen elektronischen Quellen wie Video, Bild und Sensoren. „Akasha“ ist eine Serie von fünf interaktiven Kompositionen und Ensembles, die auf den fünf wesentlichen Elementen (Feuer, Wasser, Erde, Wind und Geist) basieren. Die fünf Elemente der Natur können für sich allein existieren, aber ihre Umgebung beginnt sich zu verändern, wenn sie interagieren.

 

History's Footnote: on Love and Freedom (Ausstellung)
2. Oktober — 28. November 2021

Arbeiten unserer Stipendiat:innen Noncedo Gxekwa, Felipe Castelblanco und Géraldine Tobe, mit Assistenz durch Jeanpy Kabango, sind Teil der Ausstellung “History’s Footnote: on Love and Freedom” im Marres – Huis voor Hedendaagse Cultuur.

Die Ausstellung der südafrikanischen Kuratorin Khanyisile Mbongwa verbindet Geschichten von Widerstandskraft und Protest. Die Fußnote der Geschichte deckt die Traumata der rassischen, sexuellen, gender und kulturellen Ungleichheit auf. Zugleich zeigt die Ausstellung die unsichtbaren Spuren und ungezählten Geschichten und Erfahrungen auf und stellt eine alternative emanzipatorische Geschichte vor. Im Mittelpunkt steht die Suche nach Liebe und Freiheit, in der die Geschichte nicht mehr ist als eine Fußnote. Die Ausstellung gibt der Geschichte eine Stimme, stellt aber gleichzeitig eine Zukunft der Freiheit vor, in der wir wissen, leben und lieben können. Diejenigen, die unterdrückt wurden, wissen, dass die Unabhängigkeit nicht mit der Freiheit einhergeht“, sagt Mbongwa, „und wer keine Freiheit hat, dem wird auch die Liebe verweigert“.

Die Ausstellung ist vom 2. Oktober bis zum 28. November 2021 im Marres, Maastricht, zu sehen.

Offene Werkstatt
2. Juni — 21. November 2021

Erstmalig besteht die Möglichkeit für Interessierte, den neu ausgestatteten Werkstattbereich des Künstlerdorfs für eigene Ideen und Projekte zu nutzen. Techniken wie Zeichnung, Malerei, Siebdruck, analoge Fotografie sowie Arbeiten mit Ton, Holz und Metall stehen hier zur Verfügung. Ein geschulter Werkstattleiter und Stipendiat:innen des Künstlerdorfs geben Einblicke in handwerkliches und künstlerisches Arbeiten. So können verschiedene Techniken erlernt und selbstständig erprobt werden.

Brunch und Dinner im Künstlerdorf

… bieten die Möglichkeit, regelmäßig Einblicke in künstlerische Prozesse zu erhalten und in einen persönlichen Austausch mit den Stipendiat:innen zu kommen. Wir laden Sie herzlich ein, literarische, künstlerische und musikalische Beiträge in informeller Atmosphäre zu erleben.

Kulturpicknick, 19. Juni 2021
19. Juni 2021 — 10.00 Uhr

Nach langen Monaten der Programmpause freuen wir uns nun umso mehr darauf, Kunst und Kultur wieder erlebbar machen zu können!

Wir starten mit einer Veranstaltung im Außenraum – einem Picknick und einem Rundgang über das Gelände des Künstlerdorfs. Aktuelle Stipendiat:innen geben dabei Einblicke in Arbeitsprozesse inform von Performances, Lesungen und Ausstellungen.